Dieser Artikel gibt einen Überblick, nach welchen Kriterien sich ein Portfolio an Internet-Projekten bewerten lässt. Langfristiges Ziel ist es, ein ausgewogenes Portfolio an Projekten zu erzielen, welches zum einen ausreichend sicher ist aber auch die Möglichkeit auf Chancen gibt.
Nichts ändert sich derzeit so schnell wie die Welt im Internet (wobei die Bankenwelt derzeit stark aufholt). Jeder, der sich z.B. mit SEO oder SEM Projekten selbstständig gemacht hat, macht sich regelmäßig auch Gedanken darüber, welches seiner Projekte auch morgen noch funktioniert. Für den langfristigen Erfolg ist es entscheidend, ein ausgewogenes Portfolio an Projekten zu besitzen. Doch was genau bedeutet “ausgewogen”?
Projektrisiken
Jedes Projekt verfügt über Risiken, die sich grob wie folgt untergliedern lassen:
- Zunahme der Konkurrenz: Besonders in hart umkämpften Nischen, in der sich viele Teilnehmer um ein hart umkämpftes Keyword bemühen, kann ein Projekt, welches heute in den organischen Suchergebnisseiten auf Platz 1 steht, morgen schon abrutschen.
- Einseitige Traffic-Quellen: Ist ein Projekt davon abhängig, prominent in den Suchergebnisseiten platziert zu sein, kann der der gesamte Besuchertraffic wegbrechen, wenn sich z.B. der Algorithmus ändert oder Strafen vom Suchmaschinenbetreiber (“Google penalties”) verhängt werden.
- Abhängigkeit vom Merchant: Es gibt Projekte, die auf einen bestimmten Merchant zugeschnitten sind. Fällt dieser aus (Stichwort “Rezession”) und findet sich kein weiterer, ist das Projekt tot.
Die jeweiligen Projekrisiken versucht man am besten, durch entsprechende Vermeidungsstrategien zu reduzieren. So lässt sich z.B. die Abhängigkeit von der Platzierung in den Suchergebnisseiten dadurch reduzieren, wenn es gelingt, eine aktive Community zu etablieren, z.B. durch ein Forum oder ausreichend Leser, die den RSS-Feed verfolgen.
Doch nicht alle Risiken lassen sich vermeiden, so dass es immer wieder passiert, dass ganze Projekte von heute auf morgen ausfallen oder sich das Einkommen drastisch reduziert. Wer auf das betroffene Projekt dann angewiesen ist, bekommt Probleme auf der Einnahme-Seite.
Um sich selbst einen Überblick zu verschaffen, wie das Risikoprofil der eigenen Projekte aussieht, ist es sinnvoll, diese nach “Risiko” und “Ertrag” zu sortieren. Dabei hilft wie sooft eine 2×2 Matrix:

Um die Projekte in die jeweilgen Quadranten einzusortieren, kann es helfen, eine Rangfolge der Projekte zum einen hinsichtlich “Ertrag” und “Risiko” zu bilden. Projekte, die dabei über dem Durchschnitt liegen, werden als “hoch” eingestuft, Projekte die unter dem Mittel liegen als “gering”. Nachteil dieser Methode ist es, dass Projekte als “risikobehaftet” eingestuft werden, die es vielleicht gar nicht sind oder umgekehrt. Erst langjährige Erfahrung hilft hier, das richtige Augenmass anzusetzen. Aber oft wissen die Webmaster, bei welchen Projekte z.B. schmutzige Link-Building Techniken angewendet wurden, die einem irgendwann vielleicht mal um die Ohren fliegen.
1. Die Geheimwaffe
Das sind die Projekte die Spaß machen. Oft hat man eine lukrative Nische gefunden, die sonst noch kein weiterer oder nur wenig andere bearbeiten. Mit relativ einfachen und sicheren Mittel hat man das Ziel erreicht und erntet nun fleißig. Diese Projekte sollte man besser für sich behalten, denn so eine Nische ist natürlich auch für andere interessant. Daher heisst es hier, Mund zu und genau die Konkurrenz beobachten. Gelegentlich Maßnahmen durchführen, um die Position abzusichern. Aber ansonsten ist das ein Projekt, dass man erstmal liegen lassen kann, um sich anderen Dingen zu widmen
2. Die Zeitbombe
Auch diese Projekte machen Spaß. Nur hat man stets das ungute Gefühl, dass dieser Spaß irgendwann vorbei sein könnte. Nur wann, dass weiß man nicht. Daher sollte man hier versuchen, aus Zeitbomben Geheimwaffen zu entwickeln, indem man z.B. verstärkt White-Hat Techniken einsetzt oder gezielt sauber Links kauft tauscht, um das Risikoprofil zu entschärfen.
3. Der Langweiler
Das sind meist Projekte, die man mal angefangen aber nie richtig zu Ende gebracht hat. Die Einnahmen dümpeln vor sich hin und es fehlt die Zeit, daraus mehr zu machen. Aber so langweilig sind diese Projeke meist gar nicht, denn wenn man hier ein wenig Zeit investiert, kann man aus diesen Projekten bestenfalls “Geheimwaffen” machen. Denn der Vorteil dieser Projekte ist meist, dass der Content steht, aber das Linkbuilding noch nicht abgeschlossen ist. Ist Zeit tatsächlich ein Problem, dann könnte man sich überlegen, mit ein paar schnellen, aber fragwürdigen Methoden eine Zeitbombe zu basteln.
4. Der Blindgänger
Bei diesen Projekten hat man meist sein Können ausgeschöpft und trotzdem versagt. Nur selten gelingt es dann noch, das Potenzial zu steigern. In seltenen Fällen wachen diese Projekte, die man fast schon vergessen hat, über Nacht auf und geben plötzlich Gas (“Ich weiß auch nicht, warum die plötzlich so gut rankt”), aber das ist leider meist die Ausnahme. Hier heisst es abhaken und sich anderen Dingen zuwenden.
Hat man seine Projekte einsortiert, lassen sich verschiedene Grundtypen identifizieren:
Blackhat only

Kennzeichen dieses Portfolios sind: Wenig Projekte, die viel verdienen, aber sehr risikobehaftet sind. Fällt eines der Projekte aus, bricht ein signifikanter Einkommenstrom weg. Ersatzprojekte befinden sich nicht in der Pipeline. Auch wenn die Erträge auf den ersten Blick beeindrucken, langfristig erfolgreich wird man damit selten sein.
Verzettelt

Kennzeichen dieses Portfolios sind: Viele Projekte, aber keines ist richtig durchgestartet. Hier hat man sich meist verzettelt und zuviele Ideen auf einmal realisieren wollen. Aber die Situation ist nicht aussichtslos. Man sollte sich die 1-2 erfolgsversprechendsten Projekte raussuchen und fokussiert daran arbeiten. Langfristig kann sich hier ein schönes Portfolio entwickeln.
Spezialist

Kennzeichen des “Spezialisten” Portfolios sind: Ein Projekt, das richtig rockt. Hier hatte man in der Vergangenheit das Glück, direkt zu Beginn eine Nische betreten zu haben, die sich von Beginn an gut entwickelt hat. Für andere Projekte blieb keine Zeit, welches jetzt zu der “Vormachtstellung” in der jeweiligen Nische sorgte. Risikolos ist dieses Portfolio jedoch keineswegs. Bricht das Projekt weg, steht man ohne etwas anderes dar. Dieses Portfolio – welches eigentlich keines ist – bietet aber den Luxus, dass man jetzt die Zeit hat, neue Projekte aufzubauen.
Das ausgewogene Portfolio

So könnte beispielhaft ein ausgewogenes Portfolio aussehen. Das gesamte Ertragsvolumen ist auf mehrere Projekte verteilt, davon sind einige Projekte risikohafter als andere. Fällt ein Projekt weg, kann dies mittelfristig von anderen bestehenden Projekten aufgefangen werden. Auch gibt es noch Projekte mit Entwicklungspotenzial, die kurz- bzw. mittelfristig zu echten Ertragsbringern gemacht werden können.
Doch wie gelangt man zu so einem Portfolio, gerade wenn man noch am Anfang steht? Zu Beginn ist Recherche das A&O, um 2-3 Projekte zu entwickeln, die zu Beginn eine solide finanzielle Basis darstellen. Wer direkt auf Themen aus dem Kredit- oder DSL-Bereich aufspringt, hat schon verloren. Hat man sich diese finanzielle Basis geschaffen, schadet es nicht, ein wenig mehr Risiko einzugehen. Jetzt kann man sich an größere Nischen heranwagen, sollte aber die Basis-Projekte nicht aus den Augen verlieren, sondern diese kontinuierlich weiterentwickeln. Irgendwann kann man dann auch mal anfangen zu experimentieren.
Fazit
Die Optimierung des Risiko-Rendite Profils des eigenen Projekt-Portfolios ist maßgeblich für langfristigen Erfolg. Dazu ist es notwendig, sich das eigene Profil überhaupt erstmal bewusst zu machen und regelmäßig zu überprüfen. Hat man seine eigene Matrix erstellt, erkennt man schnell wo Chancen aber auch Risiken liegen. Entwickelt man gleichzeitig auch eine Zielvorstellung, mit welchen Projekten man wohin möchte, ist der Grundstein für langfristigen Erfolg gelegt.
Welches sind Eure Erfahrungen? Welcher Portfolio-Typ seid Ihr? Wie geht Ihr vor? Welches ist Eure Strategie? Ich freu mich auf Eure Kommentare!

Klasse Beitrag! Jeder träumt wohl von dem ausgewogenen Portfolio! Leider sieht es bei mir auch so aus, dass ich mich oftmals verzettel.
Schöner Artel, der zum Nachdenken anregt und Handeln auffordert.
Bei mir ist es so, dass ich fast zufällig in lohnende Projekte stolper, nämlich durch die Keyword- und Rankinganalyse meiner Besucher in dem einen oder anderen Blog. Oft rankt ein Projekt für Keywords, von denen man es nicht für möglich hält, oder geplant hat.
Ich bewerte dann die Monetarisierungsmöglichkeiten und optimiere weiter in die Richtung, bzw starte dann ein Einzelprojekt zu dem Thema. Dabei wird man dann manchmal Experte auf ziemlich komischen Gebieten
Natürlich habe ich damit auch schon so manches Schläferprojekt an den Start gebracht, dass mal erweckt werden müsste
Blachhat = wenige Projekte und keine neuen in der Pipeline? Wie kommst du darauf?
Wenn, dann hat der Blackhat eher überdurchschnittlich viele Projekte und pumpt neue Projekte mit überdurchschnittlich hoher Frequenz raus.
Ich würde eine wesentlich höher dimensionierte Matrix als 2×2 verwenden. Immerhin gibt es noch Faktoren wie “Wachstumsprognose für die Nische” und viele andere.
Seh ich genau wie Malte! Ansonsten… netter Artikel
Oh ja, da sehe ich mich leider noch im “Verzettelt” Bereich. Es gibt aber auch so verdammt viele offene Plätze in den Nischenbereichen. Ich glaube, jeder von uns hätte gerne den 48 Stunden Tag (Nacht nicht inklusive). Dann würde es trotzdem nicht reichen.
Super erster Artikel. Die Schaubilder rokken übrigens, denn nur Text wäre nur halb so toll.
Bei den Risiken hast du die Abhängigkeit vom Merchant erwähnt, nicht aber die Abhängigkeit vom Kunden(kreis). Durch geänderte Rahmenbedingungen können ziemlich rapide die Kunden ausbleiben.
Die Matrix bzw. deren Anordnung verstehe ich nicht ganz. Bin ich zu sehr BCG geeicht?
Super Artikel! Du öffnest hier vielen SEOs die Augen. Auch ich überdenk in den nächsten Tagen noch einmal mein Projektportfolio.
@Hakasuro: Geht mir genauso und vielen anderen wahrscheinlich auch. Und ich finde diese Strategie auch gar nicht mal schlecht. Alles lässt sich halt nicht mit irgendwelchen Keyword-Tools oder Trend-Analysen vorhersagen.
@Malte und Florian: Die Beispiel-Portfolios sind natürlich extrem und es gibt noch viele andere. Ich stimme Dir zu, dass typische Blackhats eher viele als wenige Projekte haben.
@Ole: Absolut richtiger Punkt.
Danke an alle für Eure Kommentare!
Hallo !
Schöner Beitrag. Leider hast du dich in manchen Formulierungen ein wenig vertan (woher kenne ich das
) .
Stark umkämpfte Nischen sind halt keine Nischen mehr. Aber egal.
Ich glaube, dass man als SEO garnicht die richtige Wahl hat. Egal, ob groß oder klein. Alle Konstrukte die ich gesehen hab, bestehen aus einer Mischung von guten Projekten und einer Menge Schrott. Das liegt zu großen Teilen daran, dass SEOs oft viele Erst-Ideen haben und einfach mal anfangen. Ich sehe das aber nicht als so schlimm, da auch diese Projekte zum Netzwerk beitragen können. Man muss nur darauf achten, dass man die Projekte WH-mäßig auf einen gewissen Trust bringt, sonst ist die Arbeit einfach vergeudet.
Theoretisch, also rein theoretisch hast du aber in manchen Beschreibungen recht. Wenn nur die Praxis nicht wäre, hehe
@Malte: Klar, das Schema vereinfacht die Sache sehr stark, aber genau das ist ja der Wunsch. Wenn du zuviele Dimensionen hast, dann wird es zu unübersichtlich und du kannst keine klare Aussage mehr treffen.
Der Kritikpunkt bei der BCG-Matrix wird immer der bleiben, das das Szenario viel zu sehr runtergebrochen wurde und es u.U. nicht hinhaut was da dargestellt wird… in sofern muss sich jeder einfach mal Gedanken machen, wie es für ihn und seine Projekte passt…
cHeers
Ein wirklich schöner erster Beitrag. Nach der Lektüre hat man gleich Lust auf mehr. Ich bin gespannt wie die nächsten Beiträge sein werden und schaue schon ungeduldig auf meinen Feed-Reader
Guter Betrag, aber wie bereits kurz angrissen gibt es ein großes Bewertungsproblem. Man kann sich da sehr viel schön reden, was nun ein Langweiler oder vielleicht auch eine kleine Geheimwaffe ist. Sicher zur ganz groben Untergliederung mag es reichen, aber darüber hinaus braucht man dann wohl noch ein paar andere Tools.
Lesenswerter Artikel! Hier merkt man einfach beim Lesen, dass in dem Artikel viel Zeit und Arbeit steckt. Wahrscheinlich versteht man die Zusammenhänge erst richtig, wenn man sich schon ein kleines eigenes Projekt-Netzwerk aufgebaut hat und das Ganze schon über einen längeren Zeitraum betreibt. Am Anfang kann man sich auch kaum vorstellen, dass aus irgendeinem Grund ein Projekt plötzlich wegbricht, wo man doch soviel Zeit und Mühe investiert hat.
Danke, guter Artikel. Sicher sind Maltes Einwände berechtigt, aber für eine erste Orientierung taugt es – für Einsteiger wie auch vielleicht etwas betriebsblind gewordene Profis. Ich vergesse beispielsweise immer wieder die Monetarisierung und habe jetzt erst – nach neun (!) Jahren – ein Nischenprojekt in Richtung Geheimwaffe gebracht. Aber 2009 wird rocken, versprochen
Hallo,
Langfristig hat man viele Rohrkrepierer und liegengelassene Projekte (ich zumindest). Ich würde als Anfänger viele Projekte links unten machen und dann eines, das sich als gut erweist, richtig gut behandeln.
Ob jetzt “Masse” oder “Klasse” besser ist, kann ich nicht beurteilen. Mit nur einer Webseite könnte ich aber nicht ruhig schlafen.
Und übrigens ein richtig guter Artikel!
Wirklich feiner Start in die Welt der SEO-Blogosphäre.
Du solltest Lebens- und/bzw. Projektberater für SEOs werden!
Hi Trutz,
ein wirklich gelungener Einstieg ins bloggen über SEO!
Ich bingespannt auf weitere Artikel von Dir und wünsche mir eine Qualität wie in diesem Artikel bei den weiteren Postings.
Man könnte je Bereich noch Kennzahlen zu Traffic und Umsatz und Aufwand hinzufügen um die Abgrenzung der Bereiche tranparenter zu machen.
Hi Trutz!
Ein Super-Artikel, sehr professionell und gut strukturiert. Die Ertrag/Risiko-Matrix ist der Hit – hat echt das Zeug in ein wissenschaftliches SEO-Lehrbuch einzugehen!
VG aus Wien
Christoph
Toller erster Beitrag. Bin gespannt wie es weitergeht.
Mir gefällt die notwendige Einfachheit.
Weiter so…
Toller Artikel!!!
Jeder will wohl eine Geheimwaffe haben. In der heutigen Zeit ist wohl aber eine Zeitbombe her wahrscheinlich.
Hab den Blog und dann diesen Artikel über den “Adventskalender” von Hanns gefunden. Sehr gute Arbeit! Ein breites Portfolio ist immer vorteilhaft.