10 Dinge, ohne die ein Selbstständiger nur schwer auskommt

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Dies ist ein Gastbeitrag von Michael Lüdeke.

„Selbst und ständig“ ist einer der unangenehmsten und häufigsten Sprüche zum Thema Selbstständigkeit. Aber er trifft zu, denn jene ohne Geldsegen im Rücken, die in die Selbstständigkeit gehen, haben zumindest anfangs eine lange Periode genau diese drei Worte vor Augen. Und in den Knochen. Deshalb werden hier 10 Dinge aufgeführt, die es vereinfachen, den täglichen Job zu machen, dabei Spaß zu haben und gesund zu bleiben.

Ständig an das Überleben und Vorankommen des eigenen Geschäfts zu denken, ist aufreibend. Gerade, wenn man dieses Unternehmen gerade erst gegründet hat. Denn was bringen Erfolg und Spaß, wenn am Ende des Tages Geld und Mühen für die eigene Revitalisierung aufgewendet werden müssen?

Die folgende Liste besteht aus einer Reihe von Eigenschaften und Gewohnheiten, die nicht nur für Gründer essentiell sind, jedoch nicht von heute auf morgen entstehen. Sie versprechen keine Glückseligkeit, denn das Selbst-und-Ständig ist mit Aufwand und Investition verbunden. Trotzdem gibt es Wege und Mittel, sich das Leben zu vereinfachen und zu erfüllen und ein Mehr an eben jener Glückseligkeit in seinem (Arbeits)Leben zu platzieren.

Zur Einstimmung ein kleines psychologisches Experiment: Der Schaukelstuhl

Man stelle sich vor, 80 Jahre alt zu sein und zu Hause in seinem Schaukelstuhl zu sitzen. Man blickt zurück auf sein ereignisreiches und erfolgreiches Leben und versucht zusammenzufassen, woran es gelegen haben mag, dass es kam, wie es kam.

Die folgende Liste hätte eine hohe Wahrscheinlichkeit, den Weg zu vielen Enkeln zu finden, um auch ihnen ein erfolgreiches Leben zu verschaffen. Ganz unabhängig davon, was Erfolg für sie bedeutete.

1. Disziplin – auch und gerade für Gründer

Disziplin hängt mit den meisten der kommenden Punkte zusammen und ist nichts, das entweder angeboren ist oder nicht. Selbstdisziplin kann erlernt werden, Schritt für Schritt, z.B. mit wissenschaftlich belegten Praxistipps. Es ist eine Gewohnheit, die wie ein Muskel trainiert wird und sich über Zeit positiv auf andere Fähigkeiten ausdehnt. Und wobei sollte man diszipliniert bleiben?

2. Fokus auf Ziele und Sinn – was will ich und warum?

Was mit der Selbstständigkeit erreicht werden soll, ist der erste Schritt aus dem Heimathafen und in Richtung Erfolg. Nicht nur monetär, sondern besonders unter Nutzengesichtspunkten für jeden Kunden. Denn anzufangen, weil einem das Leben als Angestellter auf den Magen schlägt, ist zwar anfänglich als Motivation ausreichend, langfristig aber ein Rohrkrepierer.

Was ist man bereit, für seine Ziele zu opfern? Wenn man aus seinem sicheren Heimathafen segelt, ohne ein klares Ziel zu haben, wird man ankommen. Wahrscheinlich weiß man dann auch, wohin man nicht wollte. Und das nicht aus den Augen zu verlieren, erfordert Disziplin.

Das hilft: Aufschreiben, jeden Abend überprüfen, was gut lief, was nicht. Dann anpassen. Wichtig: Warum macht man, was man macht? Geld macht nur begrenzt glücklich. Angus Deaton und der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman fanden heraus, das ab durchschnittlich ca. $75.000 Brutto Einkommen keine Steigerung des Glücksgefühls mehr stattfindet. Primär ist es der Vergleich mit anderen, der entscheidet, wie zufrieden Gehalt macht.

Je kognitiver Arbeit ist, desto stärker motiviert der Sinn hinter der Arbeit (siehe dazu Dan Pinks Vortrag auf TED.com). Welcher Sinn wird also mit der eigenen Arbeit verfolgt?

3. Ziele runterbrechen – Weltherrschaft und Weltfrieden sind zu groß

Langfristige Ziele sollten nicht nur mit Werten, sondern auch mit mittel- und kurzfristigen Zielen kongruent sein. Und damit der Berg an Aufgaben nicht unüberwindbar scheint, sollten Ziele in Unterziele herunter gebrochen werden. Das vereinfacht, sie zu erledigen und abzuhaken, Motivation zu steigern und den eigenen Fortschritt nachzuverfolgen.

Weltherrschaft oder Weltfrieden sind zwar ehrenwerte Ziele, aber bevor man damit anfängt, macht man lieber noch etwas anderes, oder?

4. Prokrastination – Modewort und Volkskrankheit

Dinge aufzuschieben, können sich bereits die meisten Angestellten nicht leisten und was bringt es auch? Am Ende durch Hektik verursachte Fehler, Unzufriedenheit und maximal das Gefühl, dass noch alles gut gegangen ist.

Man nehme sich die kleineren Untereinheiten aus Punkt 3 und fange damit an. Und wenn  5 Minuten zu lang scheinen, sollten die Ziele weiter runter gebrochen werden. Das vereinfacht es stark, in Bewegung zu kommen und der ungeliebten Aufschieberitis den Garaus zu machen.

Eine schöne praktische Übung ist die, die für den Tag wichtigste Aufgabe bis zum Vormittag zu erledigen. Die Folge: man fühlt sich nicht nur produktiver und besser, sondern ist es auch.

5. Wachstum – zulassen, wollen und fördern

„Ich bin nicht gut genug“ oder „Ich kann das nicht“ sind zwei der häufigsten negativen Gedanken. Nicht ausschließlich von Selbstständigen oder Gründern-in-spé. Häufig sind diese Vorstellungen Schutz vor dem Scheitern. Gute Plätze zum Verstecken.

Selbst, wenn man nicht so gut ist, wie andere, gibt es immer Wege, um besser zu werden und zu wachsen. Vielleicht will man nicht, aber das ist etwas anderes, als es nicht zu können. Das Umsetzen einer der hier angebotenen 10 Dinge hat bereits Wachstum zur Folge.

Eins ist klar: Es gibt immer jemanden, der besser ist. Aber jeder hat Fähigkeiten, die er oder sie der Welt anbieten kann. Und wenn man selbst diese Fähigkeiten nicht schätzt – andere Menschen tun das.

Vielleicht man sich nicht als 10 auf der 10er-Skala, sondern nur als 5. Aber für Menschen, die auf dem jeweiligen Gebiet eine 1, 2 oder 3 sind, könnte die 5 genauso gut eine 10 sein. Es gibt Menschen, die genau diese 5 brauchen.

Und daran wächst man. Denn mit jedem erfolgreichen Schritt nach vorne kommt man näher an sein Ziel (das von Punkt 2). Und das sollte man ab und an auch zelebrieren.

6. Erfolge feiern – sein Licht unter den Scheffel zu stellen, ist nicht helle

Eine erfolgreich geschaffte Aufgabe ist eine auffrischende Art, zu seinen Fähigkeiten Ja zu sagen. Keine einfache Aufgabe, weil man ja denkt, das sei vermessen und gar nicht bescheiden. Gesund ist das aber allemal.

Solange man niemanden wirklich über’s Ohr hauen will, besteht kein Grund, sich als Betrüger zu fühlen. Leider tun dies vor allem Studierende und speziell erfolgreiche Frauen sehr häufig und schreiben ihren Erfolg externen Gründen wie Zufall oder Glück zu. „Irgendwann wird das rauskommen“, denken sie und machen sich deshalb kleiner, als sie sind (siehe Impostor-Syndrom).

Das hält nicht nur von größeren Erfolgen ab, weil das Selbstbewusstsein geschwächt wird, sondern ist ebenfalls psychisch ungesund. Wenn man sich nicht selbst auf die Schulter klopfen will, sollte Unterstützung her.

7. Support-Netzwerk – jeder braucht Menschen, die einen in schweren Zeiten unterstützen

Selbstständig zu sein, bedeutet nicht, alleine zu sein. Ob Familie, Freunde oder Bekannte: Menschen, die an einen glauben und Zuversicht in das haben, was man tun, sind essentiell. Diese Menschen erinnern in guten Zeiten daran, den Boden unter den Füßen zu behalten und auf sich zu achten. In schlechten nehmen sie einen in den Arm, drücken gerne ein Kompliment ab und motivieren, weiter zu machen.

Und auch diese Menschen wollen helfen und gebraucht werden. Also sagt man ihnen am besten, was man benötigt. Schwächen zugeben und bei Unkenntnis oder Schwierigkeiten fragen. Hilfe anzunehmen ist nichts Verwerfliches.

Am Ende geht es um das Miteinander.

8. Kooperation und nicht Konkurrenz – win-win ist der Schlüssel zum Erfolg

Stephen Covey beschrieb in seinem Bestseller „Die 7 Wege zur Effektivität: Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg“ den vierten der sieben Wege als das Streben nach Kooperation, den Gewinn für beide Seiten einer Beziehung (auch einer Geschäftsbeziehung). Es ist der erste Schritt von der Unabhängigkeit in eine Interdependenz, also eine wertschöpfende, gegenseitige Abhängigkeit, die über die eigenen Fähigkeiten hinausgehende Ergebnisse ermöglicht.

Viele von uns sind mit dem Gesetzt aufgewachsen, es gäbe eine begrenzte Ernte. Schnelligkeit sei Pflicht, um sich Benötigtes zu schnappen, bevor es ein anderer tut. Aber „Survival of the fittest“ ist eine Philosophie, die sich ohne Kooperation nie durchgesetzt hätte. Setzte sich der Stärkste gegen alle Schwächeren durch oder bliebe ihm die Kooperation verwehrt, wäre er alleine. Und stürbe aus.

Sich gegenseitig zu helfen, Stärken anderer mit eigenen Stärken zu verbinden und daraus wertschöpfende Ergebnisse erwachsen zu lassen, ist nicht nur sinnstiftender als Bezahlung für seine Dienste, sondern bildet weitere Netzwerke. Hilfe potenziert sich.

9. Feedback einfordern – Kundenbindungstool Nummer eins

Ohne einen Spiegel, eine Rückmeldung vom Markt oder Freunden und Bekannten kann kein Selbstständiger bestehen. Feedback geht weit über Zeichen wie Wiederanstellung, Vertragsverlängerung oder Kündigung eines Kunden hinaus. Es schafft Potential zum Wachsen und ist das stärkste Kundenbindungsinstrument, denn sogar bei schlechtem Projektablauf kann das Nachfragen beim Kunden zu gestärkter und verbesserter Zusammenarbeit führen!

Ein Gedankenexperiment: Man nehme an, ein Kunde machte Ärger. Zu viele Schleifen, uneindeutige oder der stetig wechselnde Zielangaben. Man hat viel mehr Zeit investiert als nötig und würde den Kunden am liebsten von seiner Liste streichen, weil er so nicht rentabel ist.

Kein seltenes Szenario.

Anstatt den Kunden zu vergessen, ruft man ihn an und fragt ihn, was seiner Meinung nach das nächste Mal besser laufen sollte. Und dann sagt man ihm höflich, ehrlich und authentisch, was die eigene Sicht der Dinge ist. Die Folge: der Kunde fühlt sich ernst genommen, geschätzt und partizipiert an der Qualitätssteigerung.

Das bleibt hängen.

10. Leidenschaft – Wenn Arbeit zum Vergnügen wird

Das ehrliche Interesse an der Verbesserung der eigenen Leistung, einem Vorankommen zu den gesteckten Zielen, Kritikfähigkeit und –aufnahme zeigen eines deutlich: Leidenschaft bei der Arbeit.

Ohne Leidenschaft ist die Arbeit absitzen von Stunden und Wegschaffen von Projekten. Man kann so überleben. Viel Geld verdienen. Aber der Spaß wird rar sein und die Energiebedarf für die Erledigung der benötigten Dinge signifikant höher ausfallen. Warum? Weil Inkongruenz zwischen eigenen Werten und denen der Arbeit Kraft kostet und einen schon mal in eine Sinnkrise stürzen kann.

Und Hand auf’s Herz: wer unter den berühmt berüchtigten Erfolgsgestalten unserer Tage erzählt schon, er hätte seine Arbeit gehasst und sich jeden Tag zur Arbeit zwingen müssen? Und die Ausnahmen, bei denen das anfangs der Fall war, lernten später ihre Arbeit lieben. Weil sie ein höheres Ziel verfolgten, das ihnen das Durchhaltevermögen verschaffte.

Die Bitte zum Abschluss

Alle diese Punkte sind wichtig und gehören zusammen. Sich zu entwickeln ist wichtig. Sich zu verbessern ist sinnvoll. Aber selbst, wenn die Leidenschaft der 18-Stunden-Tage zum Vergnügen wird, wird der Körper sein Protokoll schreiben und – je nach eigener Konstitution und den nicht genommenen Pausen – seinen Tribut fordern.

Die Gesundheit ist das höchste Gut. Egal, wie viel Geld man auf dem Konto hat.

Deshalb sollte man Grenzen ziehen. Ernsthaft.

Michael Lüdeke ist Diplom-Psychologe und als Coach und Berater für zahlreiche Unternehmen (wie z.B. die Telekom, Sony, Microsoft, Siemens) unterwegs. Neben seiner Arbeit schreibt er seine Erfahrungen und Erkenntnisse in knackiger, provokanter Form in seinem Blog „Was Wäre Wenn“ nieder und verbindet Theorien mit äußerst effektiven und leicht anzuwendenden Praktiken. Nicht nur für Gründer. Michael ist selbst Gründer der Hilfsorganisation „ Hatemalo – Hand in Hand für Nepal e.V.“, die sich nachhaltig für Kinder in Nepal einsetzt.

Ein Kommentar zu "10 Dinge, ohne die ein Selbstständiger nur schwer auskommt"

  1. David sagt:

    “Deshalb sollte man Grenzen ziehen. Ernsthaft.” Der wichtigste Satz zum Schluss. Sehr gut geschrieben!

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